Montag - Freitag 1.9. -5.9.2014 :
In der Woche war es endlich soweit, die Sprachschule hatte
ein Ende. Am Dienstag ging es dann gleich zu Oscar unserem Koordinator hier.
Mit ihm besprachen wir den weiteren Verlauf unseres Aufenthaltes hier und
besorgten uns noch einige wichtige Blätter von ihm, für das Visum. Am Tag
darauf begannen meine Visitas, also Besuche der 3 Projekte, die die Fundacion
Estrellas en la Calle (FEC) hat. Ich ging mit Juan also los um den ersten Tag
hier zu arbeiten und ich fing gleich mit dem Straßenkinderprojekt „Coyera“ an.
Lisa hatte in der Zwischenzeit in einem anderen Projekt Visitas. Wir trafen uns
und dann ging es mit dem Pick-Up los, die Kinder und Jugendlichen abzuholen,
die in der Coronilla wohnen, einem Berg, der voll ist von Büschen und auf
dessen Spitze eine Statue steht. Drumherum in den Sträuchern wohnen mehrere
Gruppen. Zu meiner Arbeit werde ich keine oder nur wenige Bilder hochstellen,
da es ohne Erlaubnis verboten ist zu fotografieren und ich auch niemanden
bloßstellen möchte, einige Menschen, die dieses Schicksal getroffen hat,
schämen sich dafür. Man fährt dann mit den Jugendlichen zu einem Fußballfeld
macht dort eine Einheit Stoff, wie z.B. die Dinge die man für ein offizielles
Leben und einen Ausweis (Carnet) braucht. Zeitgleich werden Fichas ausgefüllt
für diejenigen die „neu“ auf der Straße sind, oder die die wir noch nicht
kannten. Einige der Jugendlichen malen oder lösen Kreuzworträtsel, auf Spanisch
sopa de letras. Mit den Jungs wird natürlich Fußball gespielt. Dann wird noch
Essen gekauft für alle und irgendwann nach ein paar Stunden und vielen
Gesprächen löst es sich wieder auf und die Jugendlichen werden wieder zurück
gebracht. Am Nachmittag war dann noch eine andere Gruppe dran und ich kam auch
zum ersten Mal in Kontakt mit Klever, den ich in die Hand gedrückt bekam und
ihn sicher verstauen sollte, was sich als schwer herausstellte, da mit einmal 3
um mich Drumherum waren und versuchten mir die Fläschchen aus der Hand zu
reißen. Am Donnerstag früh ging es dann zu einer Gruppe direkt zu ihrem „Heim“,
wenn man das so nennen darf, mir fällt bloß kein anderer Name dafür ein. Dort
spielt man dann Uno und ist einfach nur für die Menschen da. Einer äußerte
sogar den Wunsch zu seiner Familie zurückzukehren, was mich sehr freute, obwohl
ich ja noch Zuschauer bin. Donnerstagnachmittag hatte ich frei, da ich abends
um 8 wieder arbeiten musste. Ab und zu muss man in Coyera abends arbeiten, da
sich einige nur abends zeigen. Der Abend war sehr beindruckend und imposant und
ich glaube ich werde ihn nie wieder vergessen. Es ging damit los, dass kleine
Kinder dabei waren, mit denen ich Flugzeug spielte und dieses Gefühl, wenn sie
einen anlächeln ist einfach wunderbar. Danach war ich direkter Zeuge wie in
unserem Truffi, eine Wunde, die klaffte genäht wurde. Ich durfte das Licht
halten und war direkt dabei. Echt beeindruckend!!! Am Freitag war früh nur eine
kleine Gruppe dran und das tolle daran sogar für nur wenige macht es immer
wieder Sinn sich zu bemühen und auf sie zu zugehen. Am Nachmittag ging es dann
ins Büro von Coyera, was im Haus eines anderen Projektes ist. Deswegen sah ich
auch Lisa, da sie gerade dort Visitas hat. Nach einer Besprechung mussten die
Freiwilligen, also Lucie aus Frankreich, Simone aus Italien und ich Inventur machen, so eine
Drecksarbeit. :DD Am Abend durfte ich mir dann mit allen anderen von Coyera
einen 2 stündigen Vortrag zum Thema Sexualkrankheiten anhören und mir gefühlte
1000 Bilder mit Sexualkrankheiten anschauen, natürlich alle im Intimbereich! Interessant
HIV oder hier VIH haben hier in Bolivien 62% der Jugendlichen zwischen 15 und
34. In der Statistik sind allerdings nur die inbegriffen, die wissen, ob sie
HIV haben oder nicht. Erschreckend wie ich finde. Danach gab es noch was zu
Essen und um halb 8 abends hatte ich dann endlich Wochenende, was für mich
gleich mit einem traditionalen Fest begann. Am ersten Freitag des Monats wird
immer ein Fest für die Pacha Mama veranstaltet,
auf der man Chicha trinkt und dabei aber immer
etwas für die Mutter Erde vergießt. Natürlich gibt es auch traditionelle Musik,
bei der so gut wie alle aus unserer Fundacion mitgespielt haben. Hier die
Bilder
Mit wurde auch das Gesetz des Trinkens erklärt, denn man
trinkt hier in Gruppen und gibt immer ein „Salud“ zu der nächsten Person,
schenkt ihr nach und so geht es im Kreis weiter. Da ich umtriebig bin,
wechselte ich auch des öfteren mal die Gruppen. Annika war mal wieder dabei,
als einzige Freiwillige. Nach dem Fest ging es um 1 noch mal in eine Disko
hier, was sehr interessant ist, denn sie sind taghell und richtig voll. Tanzen
geht aber trotzdem. Nach 5 Minuten fand man auch urplötzlich alle wieder, die
jüngeren der Fundacion waren alle da und auch die Freiwilligen aus all den
anderen Ländern. Das Internationale hier ist echt toll, man erlebt so viel mehr
als zu Hause, trifft mehr Menschen aus den unterschiedlichsten Ländern.
Samstag + Sonntag 7. Und 8. 9.2014 :
An dem Wochenende ist nicht viel erwähnenswertes passiert
nur eins, ich habe zum ersten Mal in meinem Leben meine Wäsche selber
gewaschen, es hat keine Waschmaschine gemacht, sondern ich stand am Herd mit
einem Kochlöffel und habe meine Unterwäsche gekocht. Da diesen Sonntag keine
Autos fuhren hatte ich also Zeit dazu und auch zum Putzen des Hauses. Am Montag
beginnen dann meine Visitas in Inti Kanchay, mal schauen wie das so wird.