Samstag, 16. August 2014

Man lebt sich ein



Dienstag 12.8.2014:
Nachdem ich um kurz vor 7 aufstehen musste um rechtzeitig zur 12 km entfernten Sprachschule zu gelangen, haben Lisa und ich es geschafft zum vereinbarten Treffpunkt zu spät zu kommen, da wir uns verlaufen hatten. Die Chefin der Organisation war dennoch sehr freundlich und zeigte uns mit ihrem Auto den Weg zur Schule und erklärte ihn auch sorgfältig. Nach einer Viertelstunde, die uns der Chef, auf Spanisch erklärte worauf sie in der Schule alles Wert legen ging es dann los. Nach 4 Stunden Spanisch hatten wir beide, da wir nichts gefrühstückt hatten sehr viel Hunger. Auf dem Weg in die Stadt nutzten wir zum ersten Mal ein Micro, ein sehr bunter Linienbus, der ähnlich wie die Truffis funktioniert.


In der Stadt haben wir es schließlich geschafft uns ein riesengroßes Hühnchen zu bestellen, leider kam es ohne Beilagen, was uns aber in dem Moment nicht weiter störte. Zuhause angekommen, fand ich dann endlich mal Zeit mit meinen Eltern zu skypen. Das war echt superschön, da ich sie seit dem Abflug nicht gehört hatte. Als ich zurück kam, überraschte mich unsere Katze mit einer freundlichen Botschaft unter meinem Bett, sehr zur Belustigung der anderen wischte ich zum ersten Mal Katzenpisse unter meinem Bett weg. Ich hoffe es war das letzte Mal… Die anderen dachten schon beinahe es wäre Fruchtwasser, da die Katze gerade schwanger ist. Am Abend trafen wir uns noch mit Rebecca und Michelle in der Stadt um etwas zu essen. Leider erwischten wir auf dem Rückweg den falschen Truffi und fuhren zwar in Richtung Osten, wo wir wohnen, aber leider viel zu nördlich in die Pampa. Wir wussten nicht, dass der Truffi 212 zwei unterschiedliche Ziele anfährt, je nachdem welche Farbe die Nummer hat. Und auch mal der Blick aus einem Truffi, wenn man neben dem Fahrer sitzt.



Als wir dann nach einem Abendspaziergang endlich zuhause angelangt waren, fiel ich tot müde ins Bett.

Mittwoch 13.8.2014:


Am Morgen knüpfte ich an eine alte Familientradition an, ich kam zu spät zur Schule. Nachdem ich durch meine Hausaufgaben abgelenkt war und nicht auf den Weg geachtet habe, meinte Lisa plötzlich hier müssen wir raus. Ich war in dem Moment auch noch felsenfest davon überzeugt, ehe ich dann doch mal auf den Stadtplan geschaut habe. Nach 30 Minuten Gehen saßen wir dann doch im Raum mit unserer Lehrerin.

Nach dem wir wieder 4 Stunden spanisch mit unserer Professorin gesprochen hatten, war der Hunger wieder groß und ich probierte ein „Completo“. En Completo ist ein komplettes Mittagessen für nur 10 Bolivianos (1 Euro). Es beinhaltet eine Vorsuppe und ein Hauptgericht mit Hühnchen. Am Abend kochten Lisa und ich das erste Mal daheim, was eher kläglich ausfiel, da im Kühlschrank nur noch 2 Eier zu finden waren, die auch noch essbar waren. Der Rest aus dem Kühlschrank, außer Käse und Manjar, landete im Müll.

Donnerstag 14.8.2014:

Urkupiña!!! Am war ich wieder zu spät in der Schule, da am Fest Maria Himmelfahrt der Verkehr in Cochabamba verrücktspielt. Nach der Sprachschule, ging es mit einem von der Sprachschule reservierten Bus direkt nach Quillacollo, wo das Fest stattfindet. Dort angekommen hieß es die für die Sprachschule reservierten Plätze zu finden. Urkupiña ist wohl das größte Straßenfest, was es in Cocha gibt. Es gleicht ein wenig dem Karneval, denn viele Tanzgruppen ziehen nacheinander durch die Straßen zu Ehren der Virgen (Jungfrau). Sie kommen dann an dem Plaza Bolivar an. Dort tanzen sie besonders ausgelassen und lebhaft um die Virgen Maria zu beindrucken. Danach geht es für sie in eine Kirche und dann dürfen sie Pause machen. Für die Zuschauer wie wir es waren hieß es, mitfeiern. Je länger der Tag wurde, wir sind dort um 2 angekommen und erst um 10 gegangen, desto mehr tanzte man mit und trank man. Obwohl Alkohol verboten ist, fanden die Bolivianer, die ich dort alle kennen lernte (alle über Heike und Juan) einen Weg Alkohol in ihre Gläser zu gießen, so dass es aussah wie Saft. Was sehr interessant ist die Bolivianer teilen alles, so auch das erste Bier, was ich gemeinsam mit Juan trinken durfte. Wenn man mit den Akteuren auf der Straße mitgeht und mit ihnen Tanz und ihnen Applaus spendet, sind sie auch bereit Bilder mit einem zu machen. Es gibt ganz viele unterschiedliche Tänze. Es gibt natürlich auch viele unterschiedliche Kostüme. Hier mal ein paar Bilder von Urkupiña. 




Dies war hier mein erstes großes Fest hier und ich habe mit jedem Tag mehr das Gefühl, dass ich dieses Land und diese Menschen hier liebe!!! Natürlich sind nicht alle wohlgesonnen, aber diese Herzlichkeit der Menschen ist echt toll.




Auf dem Bild oben seht ihr Juan, Heike und Nadir, eine Freundin von Heike. Auf dem unteren Bild sind Lisa, Sarah, Heike und ich. Sarah und Heike fliegen leider am Sonntag.

Freitag 15.8.2014:

Tag nach Urkupiña. Die Sprachschule war der Horror. Nach nur 6 Stunden Schlaf und einem tollen Fest mit viel Tanzen und Laufen und Springen und Spaß in den Knochen, war es doppelt so schwer mit den Lehrern spanisch zu kommunizieren. Aber auf dem Weg zur Schule bestätigte sich auf eine echt tolle Art und Weise die Herzlichkeit der Menschen. Als eine Frau samt Kind und riesiger Einkaufstüte in den Truffi einstieg. Setzte eine andere Frau das Kind kurzentschlossen mit auf ihren Schoß, da kein Platz mehr im Truffi war. Nach einiger Zeit, als ein paar Leute ausgestiegen waren, konnte die Mutter sich hinsetzten und das Kind setzte sich auf ihren Schoß. So was habe ich in Deutschland wirklich noch nie gesehen, denn die Frauen schienen einander nicht zu kennen. Nach der Schule ging es nach einem Mittagessen in er Stadt nach Hause, um zu schlafen. Am Abend stand dann noch ein Essen mit den Verantwortlichen aus der Fundacion an. Wieder kam eine neue Art des Transportes dazu, das fahren hinten auf einem Pick-Up. Kann ich als Abenteuer nur empfehlen, aber man muss echt höllisch aufpassen, dass man nicht hinten runter fällt, vor allem, wenn man schnell auf der Straße unterwegs ist. Videos dazu zeige ich dann in Deutschland.




Ich lernte wieder viele Leute kennen und auch ein bolivianisches Trinkspiel, das ähnlich wie Kniffel funktioniert und bei dem ich prompt verlor, was darin endete, dass ich 2 Flaschen Bier bezahlen durfte. Man spielt hier immer um Geld. Das Essen war superlecker und als einige in ihr Bier Öl, Essig und Salz taten verwunderte mich das extrem und ich dachte schon, das wäre irgendeine neue Art und Weise das Bier zu trinken. Aber, nein! Es sollte bloß die Soße für das Essen werden und sie schmeckte erstaunlich gut. Hasta luego amigos!
 

 

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